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Radurlaub in Sibirien

Bauer am 14.12.2010

Im Winter denken die meisten Radsportler an Malle, Rimini oder die Kanaren. Andrey Finochenko aus Moskau zieht es nicht in den Süden, er fährt um diese Jahreszeit mit dem Rad durch Sibirien.

Im Winter denken die meisten Radsportler an Malle, Rimini oder die Kanaren. Andrey Finochenko aus Moskau zieht es nicht in den Süden, er fährt um diese Jahreszeit mit dem Rad durch Sibirien. Ein Verrückter? Keineswegs, er macht das schon seit 23 Jahren.

 

TOUR:  Warum radeln Sie ausgerechnet im Winter durch Sibirien?

 

Finochenko: Ich mache das nicht, weil ich eine große Herausforderung suche, sondern aus ganz praktischen Gründen. Ich bin im Sommer schon viel durch Sibirien geradelt und kenne die Gegend. Allerdings erreicht man große Teile Sibiriens nicht, weil es viele Flüsse, Sümpfe und Moore gibt. Im Winter ist der Boden gefroren und ich komme überall hin. Ich bin schon dreimal quer über den zugefrorenen Baikalsee geradelt, da könnte ich sonst nur mir dem Boot fahren.

 

Wie weit radeln Sie denn so?

Angefangen habe ich 1986 mit vorsichtigen 300 Kilometern. 1990 bin ich dann das erste Mal über den Baikalsee geradelt, das waren so 1.000 Kilometer. Vor zwei Jahren habe ich von Irkutsk nach Nizneudinsk rund 1.400 Kilometer zurückgelegt. Das sind schon echte Radtouren – keine Kurzausflüge.

 

Was ist das größte Problem im Winter?

 

Ich schlafe ja immer im Zelt. Wenn es stark geschneit hat, dauert es lange den Platz für das Zelt und das Lagerfeuer frei zu räumen. Nach starken Schneefällen sind auch die Straßen nicht geräumt und dann komme ich kaum vorwärts.

 

Wie kalt wird es denn so auf den Touren?

 

Ich fahre immer im Februar oder März, wo es nicht ganz so kalt wird. Tagsüber liegen die Temperaturen meistens zwischen 0 und – 30 Grad. Zugegeben: wenn die Temperatur unter – 30 Grad fällt, fühle ich mich auch nicht mehr so richtig wohl. Nachts ist zwar oft kälter, aber das ist mir egal, denn ich habe eine gute Ausrüstung.

 

Woraus besteht Ihre Ausrüstung?

 

Für die Nacht habe ich natürlich einen guten Schlafsack. Tagsüber fahre ich mit hohen Winterstiefeln und ziehe eine dicke Fleece-Jacke an. Außerdem benutze ich Reifen mit Spikes.

 

Hatten Sie auch schon gefährliche Momente?

 

Ich bin mal über den Baikal-See geradelt und habe plötzlich ein lautes Krachen gehört. Das Eis um mich herum hat sich bewegt und es hat sich ein großer Spalt aufgetan – es war wie bei einem Erdbeben. Ich hatte panische Angst, bin aber mit dem Schrecken davon gekommen. Eigentlich ist das Radfahren auf dem Eis viel ungefährlicher, als mit dem Auto. Die sind schließlich viel schwerer. Da fühle ich mich auf dem Rad viel sicherer!

 

Interview: Kristian Bauer

 

Weitere Informationen: www.rctc.ru

 

 

Bauer am 14.12.2010