Trainingsfehler Trainingsfehler

Trainings-Analyse: Besser trainieren

Die 10 häufigsten Trainingsfehler

Konstantin Rohé am 25.08.2017

Systematisches Training suggeriert planbaren Erfolg. Doch nicht immer kann alles nach Plan laufen. Umso wichtiger, dass Sie die häufigsten Trainingsfehler vermeiden.

Der größte Teil der Radsaison liegt hinter Ihnen - ein idealer Zeitpunkt, um das eigene Trainingsprogramm auf den Prüfstand zu stellen, um im letzten Saisondrittel nochmal durchzustarten: Wie viel Spaß hatten Sie bei Ihren Trainingsblöcken? Wie erfolgreich waren Ihre Wettkämpfe?

Bevor Sie in die tiefgreifende Datenanalyse einsteigen, sollten Sie Grundlagen Ihres Trainingsalltags überprüfen. Welche der zehn häufigsten Trainingsfehler machen Ihnen zu schaffen? 

1. Zu wenig Erholung

Regeneration nach harten Belastung ist essenziell, damit der Körper an Stärke gewinnt. Denn nur in der Pause wächst die Leistung. Vielfahrer werden oftmals besser, wenn sie weniger trainieren und sich besser erholen, weil sie dann beim nächsten Training besser und härter trainieren können. Erholung ist im Wochenzyklus wichtig, aber auch in größeren Zeiträumen. Was der Ruhetag in der Woche ist, ist übers Jahr ein lockerer Monat nach Saisonende, um durchzuschnaufen und Energie zu tanken. 

2. Zu unregelmäßig

Kontinuität ist ein sehr wichtiger Faktor im Ausdauertraining. Wenn man erholt ist, sollte der nächste Belastungsreiz folgen. Bleibt der aus, ist ein kontinuierlicher Anstieg der Form unwahrscheinlich. Um sich langfristig zu steigern, muss man stetig trainieren. Vereinzelte Gewalttrainings können Spitzenreize setzen, aber nicht den kontinuierlichen Aufbau durch regelmäßiges Training ersetzen. 

3. Zu viele Wettkämpfe

Man kann nicht dauernd in Top-Form sein. Zu viele Wettkämpfe bergen das Risiko, dass man ausbrennt und sich zwischen den Belastungen nicht mehr hinreichend erholt. Für häufige Wettkämpfe benötigt man ein sehr solides Fundament, also einen langfristigen, ruhigen Aufbau. Alternativ bereitet man sich gezielt auf ein oder zwei Hauptwettkämpfe vor und nutzt andere Wettkämpfe in der Vorbereitung nur zur Zuspitzung der Form. Mit dieser Methode kann man die Belastung besser dosieren als wenn man jedes Wochenende zwei Rennen bestreitet. 

4. Ungeduld

Formaufbau braucht Zeit, die Form entwickelt sich nur anfangs stetig. Ist man besser, verbessert sich die Leistung eher in Wellen und benötigt fünf bis sechs Wochen, um sich spürbar zu ändern. Es braucht Geduld, um die Früchte des Trainings zu ernten. Wer sich bei jeder Ausfahrt testet und immer ans Limit geht, wird keine Top-Form erreichen. Besondere Geduld ist nach erhöhten Belastungen wie Trainingslagern wichtig. Geben Sie sich die Zeit, den Trainingsreiz zu verdauen.

5. Zu monoton

Immer die gleiche Hausrunde im immer gleichen Tempo langweilt Geist und Körper und setzt keinen Trainingsreiz. Variieren Sie Streckenlänge und Tempo, um neue Anpassungen zu erreichen. Bauen Sie kontinuierlich auf, zum Beispiel, indem Sie die Strecken regelmäßig steigern, Tempoeinlagen verlängern, usw. 

6. Zu wenig Schlaf

Verzichten Sie nicht auf Schlaf, um länger trainieren zu können. Im Schlaf finden die Reparaturprozesse statt, die aus müden Muskeln starke Beine machen.

7. Training bei Krankheit

Krankheit ist Stress für Ihren Körper. Packen Sie nicht noch mehr drauf, indem Sie krank trainieren. Wenn Sie krank sind, sollten Sie alle Ressourcen nutzen, um schnellstmöglich wieder gesund zu werden. Das ist das Beste, was Sie für Ihre Form tun können.

8. Zu wenig spezifisch

Wettkampfspezifische Reize helfen in der Vorbereitung auf ein Event. Immer nur mit 30er-Tempo trainieren und im Wettkampf 45 fahren zu wollen, klappt nicht und wenn, dann nur unter großen Schmerzen. Nehmen Sie Belastungen des Wettkampfs gezielt vorweg. Nicht unbedingt über die volle  Distanz, aber zumindest in Häppchen. Je näher der Wettkampf rückt, umso spezifischer sollte das Training sein. Im Idealfall fügen sich die Trainings-Puzzleteile dann am Wettkampftag zum Gesamtkunstwerk. 

9. Unterschätzter Alltagsstress

Nicht nur Training ermüdet. Auch die Alltagspflichten. Behalten Sie die Gesamtbelastung im Blick und reduzieren Sie die Trainingsintensität, wenn die Stressfaktoren außerhalb des Sports groß sind. Nutzen Sie den Sport dann eher so, dass sie daraus neue Kraft schöpfen können.
 
10. Orientierung an anderen

Jeder Sportler tickt anders. Es gibt bewährte Rezepte wie die Abfolge von Belastung und Erholung. Aber das individuell verträgliche Maß muss jeder für sich herausfinden. Schielen Sie sich nicht auf die Herzfrequenz der Mitstreiter, sondern entwickeln Sie Ihr Körpergefühl. Was tut Ihnen gut, was nicht? Verfolgen Sie Ihre individuelle Strategie und schärfen Sie Ihre Sinne für Ihren Körper. 

Konstantin Rohé am 25.08.2017
Kommentare zum Artikel