© Uwe Geißler
Abwarten oder noch mal antreten? Wer seinen Körper kennt, findet die richtige Antwort

Tempoeinteilung

Wie teilt man seine Kraft in Rennen und Marathon am besten ein? Gleichmäßig treten, Akzente setzen? Lieber in der Ebene schneller fahren oder bergauf? Wir haben die Tipps, die Sie schneller machen.

Am Anfang jedes Rennens hat man Kraft ohne Ende. Naja, fast jedenfalls. Aber ist es sinnvoll, diese Kraft gleich einzusetzen? Oder sollte man sich erst zurückhalten und später richtig aufdrehen? Und was ist, wenn es auf und ab geht, wenn der Wind mal von vorne und mal von hinten weht? Wo setzt man seine Kraft also am wirkungsvollsten ein?

Pacing ist der englische Begriff für die richtige Einteilung des Tempos – und in jeder Radsportdisziplin eine, wenn nicht die entscheidende Fertigkeit. Man sieht’s besonders im Zeitfahren, wenn kein Gegner das eigene Kalkül durchkreuzt und kein Windschatten das Ergebnis verfälscht. „Zeitfahren“ schließt in diesem Zusammenhang Bergmarathons oder Etappenrennen wie die TOUR-Transalp ein, die für den weitaus größten Teil der Sportler eine Abfolge vieler (Berg-)Zeitfahren sind und damit wie geschaffen, um sich über die richtige Tempoeinteilung Gedanken zu machen. Eine mögliche Bestzeit ist dafür ein Antrieb, ein anderer die Gewissheit, exakt am Zielstrich alle verfügbaren Kräfte eingesetzt zu haben – nicht davor oder dahinter.

Die Physik der Leistung

Neben den physiologischen Grenzen und dem eigenen Willen, diese zu verschieben, gibt es noch die Fahrphysik. Eine zentrale Rolle spielt der Luftwiderstand, der mit zunehmendem Tempo überproportional steigt (doppeltes Tempo erfordert achtfache Leistung) – ganz im Gegensatz zum Bergwiderstand, der linear mit dem Tempo zunimmt. Dies hat Konsequenzen für den Energieumsatz.

Pacing im Zeitfahren – ein Vergleich:

Letzter Kilometer eines Zeitfahrens: Beide Fahrer leisten nahezu identische 400 Watt im Schnitt. Sie wiegen gleich viel, es geht überwiegend bergauf. Fahrer 2 ist auf dem kurzen Stück aber 19 Sekunden schneller! Fahrer 1 versäumt
es, an der Kuppe zu beschleunigen (1). In der Abfahrt erhöht er zu spät das Tempo (2). Die Folge ist ein geringer Top-Speed von 47 km/h in der Senke.
Letzter Kilometer eines Zeitfahrens: Beide Fahrer leisten nahezu identische 400 Watt im Schnitt. Sie wiegen gleich viel, es geht überwiegend bergauf. Fahrer 2 ist auf dem kurzen Stück aber 19 Sekunden schneller! Fahrer 1 versäumt es, an der Kuppe zu beschleunigen (1). In der Abfahrt erhöht er zu spät das Tempo (2). Die Folge ist ein geringer Top-Speed von 47 km/h in der Senke.
© Jeanette Kühn
Fahrer 2 macht es besser: Er beschleunigt zu Beginn härter (3) und tritt dann kontinuierlich. Top-Speed: 55 km/h (4). Er nimmt mehr Tempo mit in den Anstieg, den er mit 483 Watt und 39 km/h bezwingt. Fahrer 1 investiert im Anstieg 495 Watt, kann den Speednachteil aber nicht wett machen und klettert nur mit 34,6 km/h.
Fahrer 2 macht es besser: Er beschleunigt zu Beginn härter (3) und tritt dann kontinuierlich. Top-Speed: 55 km/h (4). Er nimmt mehr Tempo mit in den Anstieg, den er mit 483 Watt und 39 km/h bezwingt. Fahrer 1 investiert im Anstieg 495 Watt, kann den Speednachteil aber nicht wett machen und klettert nur mit 34,6 km/h.
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Text: Robert Kühnen Fotos: Jeanette Kühn | Uwe Geißler
22.06.2011

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