Endur-Ex Training
Mit letzter Kraft umklammert Simon Wirth die Haltebügel des Vibrationsgeräts und befiehlt seinen muskulösen Oberschenkeln ein weiteres Mal, sich zu strecken. Zu strecken gegen den Widerstand von rasend schnellen, harten Mikro-Stößen, die auf den ganzen Körper eintrommeln, ihn surrend durchschütteln von den Fußsohlen bis zur Schädeldecke. Zu strecken gegen den Cocktail aus Milchsäure, Phosphationen, Adenosin und anderen Ingredienzien der Muskelerschöpfung. Sie haben sich in den Beinen angesammelt und wollen heraus. Doch das können sie nicht. Schwarze Druckmanschetten hindern das Blut daran, nach oben abzufließen. Die Muskeln schwellen an und verfärben sich langsam blauviolett, Wirths Gesicht verzerrt sich vor Schmerz, doch die Prozedur hat noch kein Ende: Weitere 90 Sekunden zeigt die Stoppuhr an, erst die halbe Zeit ist um.
Der Schweizer Simon Wirth stellt sich den Schmerzen in dem Züricher Labor freiwillig; er hat ein großes Ziel: Er will am Race Across America teilnehmen, einem der härtesten Langstreckenrennen im Radsport. Dafür quält er sich seit Monaten, unter anderem mit einer neuen Trainingsmethode namens “Endur-Ex”, entwickelt von seinen Landsleuten am Institut für Bewegungswissenschaften und Sport der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich: ein kurzes, intensives Training, das die Ausdauerkapazität verbessern soll, wofür sonst klassisches Grundlagenausdauer- Training zuständig ist.
Für diese neue Methode haben die Schweizer Physiologen Dr. Piero Fontana und Dr. Marco Toigo zwei existierende Intervall- Trainingsformen kombiniert: das sogenannte High-Intensity-Training und Sprint-Intervall- Training. Beides gilt als sehr wirksam, sehr effizient – und sehr anstrengend. Die Kombination soll diese Eigenschaften potenzieren. Das Verlockende daran: der geringe Zeitaufwand: Eine Einheit dauert eine Dreiviertelstunde – eine normale Grundlageneinheit vier- bis fünfmal so lang. Das Abschreckende: die Schmerzen.
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Endur-Ex Training
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