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Vorhofflimmern beim Rennradfahren

Was kann man gegen Vorhofflimmern beim Rennradfahren tun?

Dr. Robert Eifler am 29.02.2016

Das herz scheint gesund, und doch kommt es beim Rennradfahren aus dem Rhythmus. TOUR Experte Dr. Robert Eifler gibt Auskunft.

Frage von TOUR-Leser Mike S.: Vor einigen Tagen musste ich (48 Jahre, 188 cm, 86 Kilo) in die Klinik. Diagnose: Vorhof­flimmern. Da sich das Problem nach 24 Stunden nicht von alleine gab, was wohl nicht unüblich ist, wurde eine Elektrokardioversion angewandt, die mein Herz wieder in den Sinus­rythmus gebracht hat. Auf Ultraschall- und Röntgenaufnahmen vom Herzen wurden keine Anomalien festgestellt. Jetzt muss ich morgens und abends Betablocker einnehmen. Ist meine Rennrad-Karriere Geschichte oder besteht Hoffnung auf weitere Kilometer im Sattel?

Antwort von Dr. Robert Eifler: Beim Vorhofflimmern handelt es sich um eine schnelle, unregelmäßige Aktivität der "Vorhof" genannten Herzregion mit unkoordinierter Überleitung des Blutes auf die Herzkammern. Es tritt bei Erwachsenen mit zunehmendem Alter immer häufiger auf und kann völlig symp­­tomlos sein; häufiger sind aber Beschwerden wie Herzklopfen, verminderte Belastbarkeit, Schwindel, verminderter Blutdruck, Atemnot –
und im Extremfall Ohnmachtsanfälle. Ursache ist eine gestörte Überleitung des Vorhofs auf die Herzkammern, die Diagnose wird durch ein Elektrokardiogramm (EKG) gesichert. Im wei­teren Verlauf gilt es, strukturelle Herzerkrankungen wie Klappenfehler,  Bluthochdruck, Schilddrüsenüberfunktion oder auch Alkoholmissbrauch auszuschließen.

Vorhofflimmern kann unter Belastung bereits nach einer durchzechten Nacht auftreten! Trainierte Radsportler haben durch die Herzvergrößerung häufig eine grundsätzlich harmlose Erweiterung des rechten Vorhofs, die durch die Dehnung des Reizleitungs­systems dennoch das Vorhofflimmern auslösen kann. Akut äußert sich das, als ob man mit ­angezogener Bremse fahren würde. Wenn sich der Vorhof nicht kontrahiert, füllen sich die Kammern deutlich weniger mit Blut, die Leistung sinkt. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass sich insbesondere im linken Vorhof Gerinnsel bilden mit dem Risiko einer Embolie, die zum Schlaganfall führen kann.

Vorhofflimmern kann spontan wieder verschwinden. Falls nicht, wird zunächst ein ­medikamentöser Versuch unternommen; führt der nicht zum Ziel, kommt eine Elektrokardio­version zum Zuge. Bei wiederkehrendem ­Vorhofflimmern besteht eine weitere Therapie­option in der Katheterablation. Bei allem sollte eine medikamentöse Therapie mit einem Gerinnungshemmer und einem rythmusstabilisierenden Medikament fortgeführt werden. Beta-Blocker sind bewährt, lassen allerdings keine absoluten Spitzenleistungen zu. Sie ­können unter der angegebenen Therapie weiter­hin Rennrad fahren, von aktiver Renn­tätigkeit ist jedoch abzuraten.

Dr. Robert Eifler am 29.02.2016
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