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Expertenrat

Thrombose und Heparin

Dr. Robert Eifler am 10.04.2014

Leistungsorientiertes Radfahren bei Thrombose-Patienten kann Risiken bergen, Heparin-Spritzen bei längeren Pausen erscheinen sinnvoll. Ausführlichen Rat weiß Experte Dr. Robert Eifler.

Frage von TOUR-Leser Jürgen Sch.: Ich fahre seit 16 Jahren Rennrad und MTB. Nach zwei tiefen Venen-Thrombosen in der Wade, die erfolgreich behandelt wurden, bin ich beunruhigt, ob ich weiter leistungsorientiert Rad fahren und an Radmarathons teilnehmen kann. Eine Thrombose bekam ich nach einer mehrwöchigen Trainingspause, die andere nach einer 14-stündigen Reise. Sollte ich zukünftig vor längeren Reisen Heparin spitzen?

Dr. Robert Eifler antwortet: Ihr Beinvenensystem ist wahrscheinlich durch die erste Throm­bose beschädigt – trotz der Behandlung, bei der das Blutgerinnsel aufgelöst wurde. Wer schon mal eine tiefe Venen-Thrombose hatte, also ein Gerinnsel in den großen Venen tief im Beininneren, hat ein deutlich höheres Risiko, so etwas nochmals zu erleiden. Bei umfangreichem Ausdauertraining sinkt der Hämatokritwert zunächst, weil sich die Menge des Blutplasmas – also des flüssigen Bestandteils des Blutes – als Anpassung vermehrt. Bei einer ­längeren Pause wird das Blut wieder dickflüssiger, da sich die Plasmamenge schneller zurückbildet als die Zahl roter Blutkörper­chen. So nimmt die Thrombosegefahr zu. Deshalb erscheint es für Sie leider nicht ratsam, alpine Radmarathons zu bestreiten. Intensives Rennradfahren mit schweren Gängen oder steile Berge hinauf erhöht den Venendruck weitaus mehr als lockeres Pedalieren.

Heparin ist bei längeren Flügen (mehr als drei Stunden) in Verbindung mit Stützstrümpfen sinnvoll. Dies gilt generell für hochtrainierte Ausdauersportler. Die Flughöhe fördert Thrombosen. Im Auto ist das Risiko geringer, Fahrtpausen mit Bewegung (Umhergehen, Gymnastik) wirken hier positiv. Heparin-Gaben in geringer Dosierung sind hinsichtlich der Blutgerinnung bei Stürzen weitgehend unproblematisch, Nebenwirkungen außer eventuell allergischen Reaktionen sind nicht zu erwarten, die Ausdauerleistungsfähigkeit verändert sich nicht.

Dr. Robert Eifler

Dr. Robert Eifler: Facharzt für Innere Medizin sowie Sportmediziner. Er betreut Fitness- und Rehaprogramme im „Fitalhotel“ Höchenschwand; früher arbeitete er in der Sport-Leistungsdiagnostik.

Dr. Robert Eifler am 10.04.2014