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Expertenrat

Sturz mit dem Crossrad: Schmerzen nach Gesichtsverletzung

Jeanette Kühn am 13.02.2015

Ein schwerer Sturz beim Crossen mit Verletzungen in der rechten Gesichtshälfte, nachwirkend verursacht der ebenfalls betroffene Trigeminusnerv starke Schmerzen. Doz. Dr. Dr. Thieme gibt Auskunft zur Schmerzreduzierung.

TOUR-Leser Hartmuth E.: Auf einer Abfahrt mit dem Crossrad schlug es mir den Lenker aus den Händen, und ich knallte mit der rechten Gesichtshälfte auf eine Betonplatte. ­Jochbein, Augenhöhle und -bogen waren auf der rechte Seite (an)gebrochen. Es wurden Platten eingesetzt, die gut verheilt sind. Doch auch der Trigeminusnerv ­wurde verletzt und macht mir seitdem große Probleme: Die rechte Gesichts­hälfte ist taub und kälteempfindlich, die rechte Oberlippe dick und schmerzhaft, Kauen und Beißen funktio­nieren nicht mehr richtig. Medikamente gegen Trigeminus­neuralgie helfen nur bedingt – die Schmerzen treten immer wieder urplötzlich auf. Drei Neurologen meinten, ich müsse mich damit abfinden. Können Sie mir vielleicht weiterhelfen?

Doz. Dr. Dr. Volker Thieme: Bei einer Jochbeinfraktur wird sehr häufig der Trigeminusnerv in Mitleiden­schaft gezogen. Von seiner Wurzel seitlich zwischen Ohr und Auge ver­laufen insgesamt drei Äste: zu Stirn, Ober- und Unterkiefer. Von dort leiten sie sensible Sinneseindrücke zum ­Gehirn, weshalb Schmerzen im Bereich dieser Nervenregion als sehr stark empfunden werden. Bei Ihrem Unfall ist es sicherlich zu einer Quetschung oder einem Riss einer der drei Äste gekommen, sodass sich in der Folge ein ­unfallbedingter chronischer Schaden entwickelt hat. Experten sprechen hier von einer Trigeminusneuropathie. ­Typische Symptome sind plötzlich ­auftretende Schmerzen und Gefühlsstörungen sowie Temperaturempfindlichkeit – wie Sie sie auch beschreiben. Um die Beschwerden zu lindern, sollten Sie zusätzlich zum Neurologen einen Schmerztherapeuten aufsuchen, der nicht nur ein individuelles medikamentöses Konzept erstellt, sondern auch hilfreiche Tipps für den Alltag mit auf den Weg gibt. So lernen Sie beispielsweise in einer Schmerz­klinik, sich gezielt zu entspannen und Stress ab­zubauen. Auf diese Weise fällt Ihnen der Umgang mit plötzlich auftretenden Beschwerden leichter. Außerdem rate ich zu einem allgemein gesunden ­Lebensstil, bei dem Sie auch weiter Rad fahren sollten – soweit es die Schmerzen zulassen.

Doz. Dr. Dr. Volker Thieme

Doz. Dr. Dr. Volker Thieme, Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische Operationen und spezielle Schmerz­therapie in der SternKlinik in Bremen

Jeanette Kühn am 13.02.2015