Sitzbeschwerden Sitzbeschwerden

Sitzbeschwerden beim Rennradfahren

Schmerzen an Füßen und Po auf dem Rennrad vermeiden

Angelika Rauw am 30.04.2015

Wie kann man Schmerzen beim Umstieg vom Mountainbike aufs Rennrad vermeiden? Sportmediziner Dr. Staudte gibt Antwort.

Frage von Tobias F.: Bisher bin ich nur Mountainbike gefahren, jetzt habe ich mir auch ein Rennrad angeschafft. Damit bin ich ein paarmal auf der Rolle gefahren, aber ich fühle mich unwohl. Außer Rücken- und Armbeschwerden habe ich starke Schmerzen am Hinterteil und an den Füßen. Am Po ist’s kaum auszuhalten, während der Fahrt am Damm und jetzt, zwei Tage nach dem letzten Training, auch direkt am After. Während des Fahrens tun mir die Füße immer genau an den Punkten über den Pedalplatten weh. Ist das alles eine Sache der Gewohnheit, oder muss ich etwas ändern?

Antwort von Dr. Stefan Staudte: Bei Ihren Schmerzen handelt es sich wahrscheinlich um ein Überlastungssyndrom aufgrund der ungeübten ­Haltung auf dem Rennrad. Radfahren belastet generell den Damm- und Analbereich, vor allem auf Sätteln, bei denen in der Mitte des Dammbereichs ungünstige Belastungszonen ent­stehen. Das ist der Bereich, in dem der hintere Teil der Harnröhre, Gefäß- und Nervenknäuel sowie in der Tiefe die Prostata liegen. Dort sind Reizungen und Entzündungen möglich. Im hinteren Sitzbereich, also am After, den Pobacken und Sitzknochen, können ­Muskeln, Sehnen, Muskelansatzpunkte und die Knochenhaut überlastet sein. Arme und Rücken müssen durch die im ­Vergleich zum MTB oft gestrecktere Haltung mehr ungewohnte Haltearbeit leisten. Verlieren Sie die Haltekraft, rutschen Sie mit Damm und Po zu weit nach vorne – dann drückt der vordere Teil des Sattels auf diese Zonen. Bei den Füßen kommen einseitige Belastungen mit zu viel Druck und wenig Zug oder zu fest geschnürte Schuhe als Ursachen in Frage. Mein Rat: Trainieren Sie kürzer und stattdessen öfter –

lieber dreimal 45 Minuten pro Woche statt einmal drei Stunden. Fahren Sie Ihren gewohnten Sattel vom Mountainbike, oder lassen Sie sich einen professionell anpassen. Zusätzlich kann es helfen, aufrechter zu sitzen: Verkürzen Sie die Sitzlänge, indem Sie den Sattel nach vorne schieben, den Vorbau ­verkürzen oder anheben. Treten Sie möglichst rund, mit hoher Frequenz und weniger Druck. Erfahrungsgemäß ist bei Ungeübten die Haltung auf der Rolle zudem verkrampfter als beim Fahren im Freien. Gehen Sie zum Radfahren also auch mal wieder raus!

Dr. Stefan Staudte

Dr. Stefan Staudte: Der Urologe und Sportmediziner aus ­München ist spezialisiert auf Sitzprobleme beim Radfahren, die er auch direkt auf dem Ergometer analysiert.

Angelika Rauw am 30.04.2015
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