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Expertenrat

Sehnenreizung am Knie

Dan Christian Merkl am 10.11.2014

Sehnenreizung am Knie und lange Heilzeit lassen an der absoluten Ruhigstellung zweifeln. Experte Dr. Merkl gibt Auskunft.

Frage von Hans-Jürgen S.aus Kamp-Bornhofen:  Ich habe eine Sehnenreizung im Außenbereich des rechten Knies – Ursache war wohl ein erhöhter Trainingsumfang. Nach einem Kernspin wurde fest­gestellt: Chondropathia patellae (Knorpelleiden unter der Kniescheibe), Grad 2, mit Reizzustand im Ansatzbereich der Patellasehne. Auch am Meniskus und weiteren knieumgebenden Sehnen und Bändern gibt es leichte Schäden und Reizzustände. Mein Orthopäde riet mir zu absolutem Stillhalten, doch nach gut zwei Monaten ohne jeglichen Radsport wird es nicht wirklich besser. "Angedroht" wurde mir absolute Ruhigstellung mit Gips oder Gestell, oder eine Kortisonspritze als letztes Mittel. Was könnte die Lösung sein?

Antwort von Dr. Christian Merkl: Schmerzen aus der Distanz zu beurteilen, ist immer ein wenig problematisch. Am äußeren Kniegelenk werden sie möglicherweise von einer Funktionsstörung des Fibulaköpfchens sowie von einer Entzündung des Oberschenkel-Streckeransatzes am seitlichen Schienbeinkopf verursacht. Ist die Spannung in dieser seitlichen Muskelkette erhöht, kann es zusätzlich zu einem Scheuermechanismus an der äußeren Oberschenkelrolle kommen.

Treten die Schmerzen nur beim Radfahren auf, ist wahrscheinlich eine fehlerhafte Sitz- oder Fußposition für die Probleme verantwortlich. Gründe dafür können sein: Pedalplatten sind ungünstig montiert, sodass Sie mit ein- oder ­auswärts gedrehten Füßen fahren. Ist die Pedalverbindung beweglich, kann dies unter Umständen eine schlechte Montagestellung kompensieren. Außer­dem sollten Sie überprüfen, ob Ihr ­Sattel zu niedrig eingestellt ist oder sich zu weit hinten befindet. Wichtig ist es immer, locker zu pedalieren, um den Knorpel- und Bandstoffwechsel anzuregen.

Auf keinen Fall halte ich es jedoch für sinnvoll, Ihr Bein mit einem Gips ruhigzustellen! Entzündete Sehnen­ansätze können heute sehr gut mit einer sogenannten Stoßwellentherapie (hochenergetisch) behandelt werden. Auch Spritzen mit Hyaluronsäure in die Sehnen oder das Gelenk können versuchsweise gegeben werden. Ein guter Physiotherapeut sollte zusätzlich die seitliche Muskelkette sowie das Wadenbein beweg­licher machen. Wenn Sie dies alles umsetzen, ist vermutlich gar keine Kortisongabe mehr erforderlich.

Dr. Christian Merkl

Dr. Christian Merkl: Dr. Merkl führt in Regensburg eine orthopädische Praxis mit den Schwerpunkten Sportmedizin und Osteopathie

Dan Christian Merkl am 10.11.2014