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Expertenrat

Rennradfahren bei chronischer Lungenerkrankung

Dr. Robert Eifler am 14.07.2014

Kann man seine erkrankte Lunge noch bloch belasten beim Radtraining oder ist es besser, ein paar Gänge zurückzuschalten? Unser Experte Dr. Robert Eifler gibt Auskunft.

Frage von TOUR-Leser Joseph Sch.: Vor sechs Jahren wurde bei mir eine chronische Bronchitis (COPD, Schweregrad 2–3) diagnostiziert. Seitdem nehme ich Medikamente, bin aber weiter Rad gefahren. Kann ich noch an meine Grenzen gehen oder nur im Grund­lagenbereich trainieren? Mein Arzt rät mir zum Spazierengehen, doch das ist keine Lösung für mich. Für einen Rat wäre ich sehr dankbar.

Antwort von Dr. Robert Eifler: Man unterscheidet zwei Formen der COPD (chronic obstructive pulmonary disease): die chronisch obstruktive, asthmoide Bronchitis (COB) und das obstruktive Lungenemphysem (COE). Die obstruktive Bronchitis ist durch krampfartig verengte Bronchien gekennzeichnet. Mit Wirkstoffen, die auch in Asthmasprays die Bronchien erweitern (Beta-2-Sympathomimetika), ist sie zu behandeln, je nach Ausprägung in Kombination mit eingeatmeten Kortiko­iden. Beim Emphysem sind ­Lungenbläschen verschmolzen, wodurch die Lunge schlechter durchblutet wird und sich überbläht. Dadurch ­kann sie ­Sauerstoff nicht mehr richtig ­aufnehmen, und unter Belastung nimmt die Atemnot zu. Bei Ihnen liegt offenbar eine COB vor, sodass Sie durchaus auch im GA2-Bereich fahren könnten, wenn keine Emphysem-­Komponente besteht. Grenzbelastungen sollten Sie jedoch auf jeden Fall vermeiden. Ich empfehle Ihnen, sich in einem internistisch geführten, sportmedizinischen Institut vorzu­stellen, damit dort Ihre persönliche gesundheitliche Gesamt­situation ­besser ­eingeschätzt werden kann. 

Dr. Robert Eifler

Dr. Robert Eifler war lange in der Leistungsdiagnostik von Profi-Radsportlern tätig, betreut heute Sport- und Rehaprogramme im "FitalHotel" Höchenschwand.

Dr. Robert Eifler am 14.07.2014