Vitaminpräparate: Nicht immer sind sie förderlich für die Trainingswirkung Vitaminpräparate: Nicht immer sind sie förderlich für die Trainingswirkung

Rennrad-Training: Schilddrüse und Fettstoffwechsel

Einfluss von Hormonen auf den Stoffwechsel

Dr. Robert Eifler am 01.08.2015

Wenn der Körperfettwert trotz Rennrad-Training nicht sinkt, könnte vielleicht die Einnahme von Schilddrüsenhormonen Schuld haben. TOUR-Experte Dr. Eifler gibt Auskunft.

Frage von TOUR-Leser Michael M.: Ich bin vor einigen Jahren an der Schilddrüse operiert worden, seitdem muss ich Hormone nehmen. Die Einstellung der Dosis wird regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls angepasst. Ich bin ein ambitionierter Radfahrer, der im Jahr zirka 10.000 Kilometer zurücklegt. Auf meine Ernährung achte ich auch sehr. Sicher kommt mal eine Pizza dazu oder ein Stück Kuchen, aber grundsätzlich ernähre ich mich sehr kalorien­bewusst. Seit zwei Jahren versuche ich nun, meinen Körperfettwert zu senken, was mir aber nicht gelingt. Meine Waage spuckt konstante 16 bis 17 Prozent aus. Der niedrigste Wert lag mal bei 15,5, ließ sich jedoch nicht halten. Mich wundert das, denn 10.000 Kilo­meter auf dem Rennrad oder MTB, regelmäßiger Kraft­sport zur Rumpfstabilisation und bewusste Ernährung sollten diesen Wert doch irgendwann senken. Ich bin 35 Jahre, 1,85 Meter groß, mein Körpergewicht liegt mittlerweile bei 70 Kilo. Meine Frage ist also, ob die Medikamente für die Schilddrüse hier Einfluss nehmen und vielleicht die Dosis erhöht werden müsste, um meinen Fettstoffwechsel zu erhöhen?

Dr. Robert Eifler

Dr. Robert Eifler war lange in der Leistungsdiagnostik von Profi-Radsportlern tätig, betreut heute Sport- und Rehaprogramme im "FitalHotel" Höchenschwand.

Antwort von Dr. Robert Eifler: Nach einer Schilddrüsenoperation ist die Gabe von Schilddrüsenhormon erforderlich. Nimmt der Patient nach der Opera­tion bei gleicher Ernährung zu, liegt eine Unterfunktion der Schilddrüse vor; die Folge ist ein reduzierter Grundumsatz. Mit Schilddrüsenhormonen lässt sich der hormonelle Regelkreis beeinflussen, die fehlende Hormonmenge wird ersetzt. Mit höherer Dosis erhöhen sich jedoch nur die Nebenwirkungen, wie Unruhe, gesteigerte Nervosität, Schlafstörungen, Puls­beschleunigung und Blutdruck­erhöhung.

Das Körperfett besteht aus drei Komponenten:
1. Unterhautfett, das bei längerer Über­ernährung ("Fettröllchen") entsteht
2. Baufett, etwa in Fußsohlen und Handflächen, das nicht beeinflussbar ist, und
3. Viszeralfett (Bauchfett), das im Bauchraum um die Organe und vor allem die Därme angesiedelt ist. Es ist bei Männern oft figur­bestimmend ("Bierbauch"), setzt bei Überernährung zuerst an und ist auch als schnellste (Fett-)Energiereserve mobilisierbar. Ihre Angaben zu Größe, Gewicht und Körperfett (Norm für Männer 10 bis 19 Prozent, für Frauen 20 bis 29 Prozent), bei einem BMI (Body-Mass-Index) von 20, zeigen ideale Werte.

Es gibt keinen erkennbaren Grund, Ihren Körperfettanteil zu senken. Dass Sie trotz Ihres umfangreichen Trainings nicht tiefer kommen, ist nicht verwunderlich, da noch niedrigere Werte um zehn Prozent eigentlich nur bei aktiven Rennfahrern und Profis vorkommen. Diese trainieren allerdings mehr als 20.000 Kilometer pro Jahr, dazu kommen nahezu wöchentlich Rennen, was noch mal etwa 10.000 Rennkilometer bedeutet. Doch der Körper­fettanteil ist ja nur einer von vielen Faktoren für die Leistungsfähigkeit.

TOUR Titel 8/2015

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Dr. Robert Eifler am 01.08.2015
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