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Expertenrat

Rennrad-Training nach Herzinfarkt

Dr. Robert Eifler am 31.03.2015

Wie sollte nach einem schweren Herzinfarkt ein Aufbautraining für Rennradfahrer aussehen? Experte Dr. Robert Eifler gibt Auskunft.

Frage von Werner R.: Ich bin 49 Jahre alt und war bislang in sehr guter Form. Während eines MTB-Marathons erlitt ich einen schweren Vorderwand-Herzinfarkt. Etwa zwei Stunden danach wurden drei Stents gesetzt. Nach einer Woche konnte ich die Klinik zur Reha verlassen. Der Arztbericht weist eine mittelschwere Schädigung der Pumpleistung (Auswurffraktion etwa 35 Prozent, normal sind zirka 55 Prozent) aus. Lässt sich die ­Herzleistung wieder auf das ­ursprüngliche Niveau bringen? Wie sollte ein Aufbau­training gestaltet werden? Mir ist bewusst, dass ich in Zukunft wohl nicht mehr in den Spitzenpuls-­Bereich gehen kann, würde aber gerne wieder möglichst intensiv und viel Rad fahren – also Rennrad und Mountainbike auf ambitioniertem Hobbyniveau.

Dr. Robert Eifler: Ein Herzinfarkt entsteht aufgrund ­einer sogenannten koronaren Herzkrankheit. In der Regel sind alle Herzkranzgefäße davon mehr oder weniger betroffen. Stents halten nur akut und lokal die am stärksten betroffenen Gefäß­abschnitte offen. Um die Heilungschancen zu verbessern, und damit sich die Gefäße nicht weiter verengen, stehen folgende Aspekte im Vordergrund: Behandlung der Risikofaktoren Bluthochdruck, Cholesterinspiegel (LDL unter 100 Milligramm pro Deziliter Blut ­senken), nicht rauchen, Übergewicht vermeiden. Dazu hilft natürlich auch und in erster Linie Ausdauersport. Doch Sie dürfen sich nur im gemäßigten, aeroben Bereich belasten! Dazu bedarf es ergometrischer Kontrollen, mit der sich geeignete Herzfrequenzbereiche festlegen lassen. Ultraschallunter­suchungen (Echokardio­graphie) geben Aufschluss über die Pumpleistung des Herzens. Insbesondere beim Vorderwandinfarkt ist diese häufig ein­geschränkt.

Medikamentös kann sie allenfalls durch niedrig dosierte ACE-Hemmer stabilisiert werden. Warn­zeichen für einen (erneuten) Infarkt sind ein beängstigendes Druckgefühl hinter dem Brustbein, ungewohnte Luftnot bei Belastung, akut auftretende linksseitige Achselschmerzen (bei Frauen häufig akute Magenschmerzen) oder plötzlicher Leistungsverlust, um nur die wichtigsten zu nennen.

Inten­sives Radtraining, zum Beispiel Mountainbikefahren in bergigem ­Gelände, ist nach einem schweren Vorder­wand­infarkt nicht zu empfehlen. Wettkämpfe oder wettkampfähnliche Situationen sollten Sie meiden. Fahren Sie immer mit einer Pulsuhr, die beim Verlassen des empfehlenswerten Herzfrequenz­bereichs Alarm gibt, um Gefahren­momente möglichst zu vermeiden.

Dr. Robert Eifler

Dr. Robert Eifler war lange in der Leistungsdiagnostik von Profi-Radsportlern tätig, betreut heute Sport- und Rehaprogramme im "FitalHotel" Höchenschwand.

Dr. Robert Eifler am 31.03.2015