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Probleme mit den Beinen

redakteur1 am 07.08.2003

Unterschiedliche Beinlänge, Schmerzen im Oberschenkel, Schienbeinschmerzen

Unterschiedliche Beinlänge

Frage:

Mein Sportarzt stellte bei mir eine Beinlängendifferenz von zwei Zentimetern fest. Welche Maßnahmen schlagen Sie vor?

Antwort von Dr. Merkl:

Etwa zehn Prozent aller Menschen haben eine angeborene Beinlängendifferenz und dadurch einen Beckenschiefstand, den die Wirbelsäule durch eine seitliche Verkrümmung ausgleichen muss. Daraus resultiert eine höhere Wahrscheinlichkeit von Rückenbeschwerden. Ab rund fünf Millimetern halte ich die Differenz für nennenswert, denn dann führt diese beim Gehen, Stehen, aber auch Radfahren zu seitlicher Wirbelsäulenverkrümmung. Ein Ausgleich angeborener  unterschiedlicher Beinlängen ist in der Medizin umstritten. Ich gleiche nicht jede Differenz aus, da – insbesondere bei angeborenen Zuständen – der Körper im Laufe seines Wachstums eine selbstständige Korrektur, zum Beispiel durch Veränderungen der Wirbelgelenkstellungen, vornimmt. Anders bei Beinlängendifferenzen bei Erwachsenen nach Brüchen, die ich auf alle Fälle ausgleichen würde. Als Maßnahme kann ich den Anbau einer Holzplatte empfehlen, die außen zwischen Schuhsohle und Pedalhaken geschraubt wird – im Eigenbau oder auf Anfrage bei einem Orthopädiemechaniker. Von unterschiedlich langen Kurbeln rate ich dringend ab, denn dadurch entsteht ein ungleichmäßiger Tretzyklus, der neue Probleme verursacht.

Schmerzen im Oberschenkel

Frage:

Nach jeder Ausfahrt spüre ich am folgenden oder übernächsten Tag Schmerzen in der Oberschenkelmuskulatur, die sich wie Muskelkater anfühlen. Nach drei bis vier Tagen bin ich wieder schmerzfrei. Meine Sitzposition wurde fachmännisch eingestellt, auch das Rad entspricht meinen Körpermaßen. Was könnten die Ursachen für diese Schmerzen in den Oberschenkeln sein?

Antwort von Dr. Merkl:

Beinschmerzen beim Radfahren haben oft unterschiedliche Ursachen. Eine Möglichkeit sind Ausstrahlungen der Wirbelsäulenregion in die Becken-Beinregion, die durch Nervenreizungen entsehen. Auch Funktionsprobleme der Wirbelgelenke können Irritationen der Muskulatur auslösen. Alte Muskelnarben oder schmerzhafte Muskelansätze können sowohl an der Vorder- wie auch an der Rückseite des Beins teilweise zu schwer lokalisierbaren Problemen führen. An der Vorderseite des Beins kann ein Arthroseschmerz des Hüftgelenks zu Schmerzen führen, die an Muskelkater erinnern und nach der Belastung über Tage anhalten können.
Treten unspezifische Schmerzen nur bei Belastung auf und verschwinden danach sofort, sollte untersucht werden, ob die Blutversorgung eventuell beeinträchtigt ist. Möglicherweise handelt es sich um eine chronische, arterielle Verschlusskrankheit, die sehr häufig ab der Lebensmitte vorkommt. Dabei verliert die Arterienwand an Elastizität, die Innenwand wird dicker und so das Gefäß enger. Intensive führt oft zu einem erstaunlichen Selbstheilungsprozess – die Blutgefäße umgehen in vielen kleinen neuen Verbindungen den Engpass. Trotzdem kann es bei hohen Belastungen zu einer ungenügenden Durchblutung und zu Sauerstoffmangel in der arbeitenden Muskulatur kommen. Ich würde Ihnen raten, die Gefäße beispielsweise durch Arteriographie untersuchen zu lassen.
Insgesamt sollten Sie also neben dem Orthopäden auch Neurologen und Gefäßspezialisten in die Beurteilung eines Beinschmerzes einbeziehen.

Schienbeinschmerzen

Frage:

Ich habe seit einiger Zeit eine Reizung am rechten Schienbein, die mir beim Rad fahren ständige Schmerzen bereitet. Was kann ich dagegen tun?

Antwort von Dr. Merkl:

An der Vorderseite des Unterschenkels liegt zwischen Schien- und Wadenbein die vordere, sogenannte "Tibialis-anterior"-Muskelloge. In ihr verlaufen Gefäß- und Nervenbündel, die die Vorderseite des Unterschenkels und den Fuß versorgen. Druckanstieg in dieser Loge durch eine Verletzung mit Einblutung, aber auch in Folge von Überlastungen bei intensivem Laufen auf harter Oberfläche kann zu akuten Schmerz-Zuständen führen. Auch Übertraining (das Muskelwachstum erfolgt schneller als die Muskelhülle Raum zur Verfügung stellen kann) kann zu einem Druckanstieg im Muskel führen. Unter Belastung führt dies zur Minderdurchblutung. Die Folge ist eine Anhäufung von Milchsäure, die eine Anschwellung des Muskels nach sich zieht. Es entsteht ein Teufelskreis mit zunehmenden Schmerzen bei Belastungen, Taubheitsgefühl bis zu den Füßen sowie erheblichem Druckschmerz. Neben Ruhe können Lymphdrainagen sowie wasserausscheidende und entzündungshemmende Tabletten Linderung verschaffen.
       
 

redakteur1 am 07.08.2003