Knieverletzung: Radfahren ist die beste Reha Knieverletzung: Radfahren ist die beste Reha
Expertenrat

Knieverletzung: Radfahren ist die beste Reha

Stefanie Weinberger am 20.02.2015

Knieprobleme sind typisch für Radsportler – gleichzeitig ist Radfahren das beste Heilmittel nach Knieverletzungen. Christof Weiß, Leiter des Trainingsberatungs- und ­Leistungsdiagnostik-Instituts Europeansports, erklärt, warum.

TOUR  Sie sagen, Radfahren sei optimal nach einer Knieverletzung. Warum?

WEISS  Zum Wiederaufbau der Muskulatur ist es definitiv die beste Therapie! Vor allem wegen der geführten Bewegung im mechanisch geschlossenen System, der geringen Gelenkbelastung und einer sehr guten Stoffwechselaktivierung. Das Gelenk wird insgesamt mobilisiert, Schwellungen werden durch die kreisende Bewegung schneller abgebaut.

TOUR Wann kann man nach Verletzungen oder Operationen wieder Rad fahren?

WEISS Im Prinzip kann man mit dem Reha-Training beginnen, sobald das Knie wieder voll beweg­lich, reiz- und schmerzfrei ist. Lassen Schmerz und Beweglichkeit nicht einmal eine niedrige Belastung zu, muss der Patient noch warten.

TOUR Was muss ich als Patient beachten?

WEISS Sehr wichtig ist, Sitzposition, Kurbellänge und Fußstellung auf dem Pedal genau anzupassen. Es kann sein, dass man am Anfang deutlich höher sitzen sollte als gewohnt. Und die aufs Knie einwirkenden Kräfte müssen überwacht werden – ein geschädigtes Knie kann noch nicht jedes Drehmoment verkraften, da muss man sehr aufpassen. Die Tretkraft und Trittfrequenz genau zu beobachten und zu dosieren, gelingt am besten über eine Wattanzeige auf einem Ergometer während des gesamten Reha-Trainings – am besten betreut von Fachleuten. Einfach
aufs Rad setzen und losradeln wie gewohnt, ist nicht ratsam.

TOUR Wie sieht das Training aus?

WEISS Das kommt auf die Art und Schwere der Verletzung an. Es hängt vom Heilungsprozess, dem Schmerz und der Schwellung ab. Es spielt auch eine Rolle, ob operiert oder konservativ behandelt wurde. Generell befürworte ich aber einen möglichst schnellen Wiedereinstieg. Viele ­fahren anfangs erst mal eine Weile im Leerlauf. Ab einem bestimm­ten Zeitpunkt muss man dann die Leistung wieder hochfahren, angepasst an den Heilungsfortschritt. Dabei sollten selbst in leichten Gängen die Trittfrequenzen nicht zu hoch sein. Begleitend muss man sich außerdem physiotherapeutisch um Stabilisation und Koordination des Knies und der umgebenden Strukturen kümmern.

TOUR Wann kann man das Knie wieder voll belasten?

WEISS Das lässt sich nicht generell sagen – oft ist nach einem halben bis dreiviertel Jahr wieder mit einer Wettkampftauglichkeit zu rechnen. Häufig läuft das System bei guter Betreuung und gelungenem Wiederaufbau sogar stabiler als vorher.

Christof Weiß

Christof Weiß, Leiter des Trainingsberatungs- und ­Leistungsdiagnostik-Instituts Europeansports

Stefanie Weinberger am 20.02.2015