Kalte Knie beim Radfahren im Winter: Kurze Hose oder nicht? Kalte Knie beim Radfahren im Winter: Kurze Hose oder nicht?

Kalte Knie beim Radfahren im Winter: Kurze Hose oder nicht?

Sind Knie kältegefährdet beim Rennradfahren?

Dr. Christian Merkl am 18.01.2016

Welche Probleme kann es verursachen, wenn man im Winter öfter mit kurzer Hose radelt und die Knie dem kalten Fahrtwind ausgesetzt sind? Unser Experte Dr. Merkl klärt auf.

Frage von TOUR-Leser Benedikt J.: Auch im Winter gilt für mich: Warm wird mir immer. Zehen, Finger und Hals brauchen natürlich Schutz, aber damit mir ins­gesamt nicht zu warm wird, fahre ich mit kurzer Hose. Jetzt meinte ein Kollege, das sei nicht gut für die Knie. Ich hatte an den Knien aber nie Probleme. Sind die Knie denn kältegefährdet?

Antwort von Dr. Christian Merkl: Wird Körpergewebe längere Zeit der Kälte ­ausgesetzt, sinkt je nach Wärmeverlust und Wärmeproduktion die Körperkerntemperatur und die Temperatur der peripheren Gliedmaßen. Wenn Sie auch bei niedrigen Temperaturen mit kurzer Rad­hose unterwegs sind, riskieren Sie eine periphere Schädigung der Kniegelenks­region, aber auch eine Unterkühlung Ihres ­gesamten Organismus. Gerade das Kniegelenk, welches wenig durch Muskelmasse abgedeckt und isoliert ist, wird Kälte, Nässe und Fahrtwind (Windchill-Effekt) ausgesetzt, sodass erste Schäden bereits nach kürzeren Trainingsfahrten zu erwarten sind.

Ohne den kompletten Ablauf einer Erfrierung beschreiben zu wollen: Sinkt die Gewebe­temperatur, führt das als Erstes zu ­reduzierter Durchblutung im betroffenen Gewebe – weniger Blut bedeutet weniger Sauerstoff, was wiederum die Leistungsfähigkeit verringert. In der nächsten Phase kommt Kältezittern hinzu, das unterkühlte Gewebe verbraucht mehr Sauerstoff und Energie. In der Umgebung des ungeschützten Kniegelenks können Entzündungen an den Sehnenansätzen (oberhalb und unterhalb der Kniescheibe, Quadriceps/Patellasehne) sowie der Kniegelenkskapsel entstehen. Nicht selten habe ich dadurch chronische Entzündungen der Sehnen (z. B. Patellaspitzen­syndrom) gesehen. Ab Temperaturen von unter zehn Grad kann ich vor allem bei höheren Geschwindig­keiten nur lange Hosen empfehlen. Wer sich flexibel an die Temperaturentwicklung anpassen möchte, kann sich ja für den "Zwiebellook" entscheiden und Beinlinge, Armlinge oder sogar Zusatzkleidung im Rucksack mit sich ­führen. Denn wer erst mal unterkühlt ist und/oder erste lokale Kälteschäden hat, riskiert eine längere Trainingspause durch Erkältungskrankheiten oder lokale Beschwerden.

Dr. Christian Merkl

Dr. Christian Merkl: Dr. Merkl führt in Regensburg eine orthopädische Praxis mit den Schwerpunkten Sportmedizin und Osteopathie

TOUR Titel 2/2016

Alle Artikel dieser Ausgabe finden Sie in TOUR 1/2016: Heft bestellen->   TOUR IOS-App->   TOUR Android-App->

Dr. Christian Merkl am 18.01.2016
Kommentare zum Artikel