Knie Knie

Expertenrat: Muskelschmerzen beim Rennradfahren

Ursache und Therapie bei Muskelschmerzen auf dem Rad

Dr. Christian Merkl am 03.11.2015

Stechende Muskelschmerzen im Oberschenkel beim Rennradfahren können verschiedene Ursachen haben. Dr. Christian Merkl gibt Auskunft.

TOUR-Leser Ingo W.: Ich habe stechende Schmerzen im rechten vorderen Oberschenkel, die schon sechs Wochen andauern. Nach dem Training mit der Faszienrolle (Vorderseite Oberschenkel) wandern die Schmerzen mehr in Leisten- und Hüftgegend, auch bis unters Knie und außen ans Knie (ziehend). Wenn ich im Sitzen den Kopf nach vorn beuge, spüre ich einen ziehenden Schmerz im vorderen Oberschenkel. Anfangs konnte ich nur kurze Wege, nach einer Spritzenkur (Rücken) wieder normal gehen. Ich bin lange Zeit 10.000 bis 20.000 Kilometer pro Jahr Rad ge­fahren und somit einseitig trainiert. ­Meine Leistungsfähigkeit ist hoch. ­Ich habe nie gedehnt, gelockert oder massiert.
Meine Fragen: Wenn der hintere Oberschenkelmuskel verkürzt und der vordere stark belastet ist: Warum habe ich nur vorne Schmerzen? Wie soll die Therapie aussehen? Meine Ärzte therapieren derzeit ohne Erfolg mit Schmerzmitteln wie Katadolon oder Tramadol.

Dr. Christian Merkl: Schmerzen im Oberschenkel können verschiedene Ursachen haben. So kann eine Irritation der Nervenwurzel in Höhe des zweiten und dritten oder dritten und vierten Lendenwirbel­körpers durch einen Bandscheiben­vorfall oder eine Engstelle des Nervenaustritts (Foramen­stenose) einen Projektionsschmerz in den Oberschenkel verursachen. Ein Hinweis dafür könnte sein, dass Sie Schmerzen spüren, wenn Sie Ihren Kopf nach vorne beugen – durch Dehnen der Rückenhäute kann sich dieser Schmerz verstärken. Leistenschmerzen mit Ausstrahlung an die Innenseite des Kniegelenks sind nicht selten erste Zeichen eines Hüftleidens bei Arthrose oder Entzündung. Funktionsstörungen der Kreuzdarmbeingelenke führen über Verspannungen der hüftumgreifenden Muskulatur zu ähnlichen ­Symptomen.

Grundsätzlich bin ich kein Freund von Stretching – häufig erreicht man damit genau das Gegenteil des Erwünschten: dass nämlich die Muskulatur als Reaktion auf die Dehnung anspannt. Die osteopathische Denke ist  vielmehr, zu fördern, dass Faszien und Muskeln gegeneinander verschiebbar bleiben und sich Strukturen nicht verkleben. Das können Sie selbst auch mit Hilfe einer Black Role, durch Ausgleichssportarten wie Schwimmen oder einen Saunagang fördern. All das führt dazu, dass sich der Tonus der Muskulatur verändert, was therapeutisch wirksam sein kann. In der Regel haben Muskelschmerzen mit Verspannungen meistens übergeordnete Ursachen. Tramadol und vor allem Flupirtin (Katadolon) sollten Sie keinesfalls in Selbstmedikation nehmen, da erheb­liche Nebenwirkungen drohen und eine kausale Therapie nicht gegeben ist.

Dr. Christian Merkl

Dr. Christian Merkl: Dr. Merkl führt in Regensburg eine orthopädische Praxis mit den Schwerpunkten Sportmedizin und Osteopathie

TOUR Titel 11/2015

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Dr. Christian Merkl am 03.11.2015
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