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Expertenrat: Knieprothese und Rennradfahren

Radtraining mit Knieprothese: Was geht noch?

Dr. Olaf Pingen am 08.05.2015

Welche sportlichen Ziele kann man nach dem Einsatz einer Knieprothese noch erreichen? Experte Dr. Pingen gibt Auskunft.

Frage von TOUR-Leser Hubert K.: Bei mir (60 Jahre) steht in den nächsten Jahren der Ersatz eines Kniegelenks an. Das Gelenk ist ziemlich verschlissen, dazu kommt meine ausgeprägte X-Beinstellung nach einem Skiunfall vor vielen Jahren. Momentan ist der Leidensdruck noch nicht so groß, dass ich es sofort machen lassen möchte. Die Knieschmerzen halten sich beim Radfahren in Grenzen, vergangenes Jahr bin ich die Goldtour des Alpenbrevets ­gefahren, Schmerzmittel benötige ich noch nicht regelmäßig. Was ist sportlich mit einer Knie-Endoprothese noch möglich, worauf muss ich mich einstellen? 

Antwort von Dr. med. Olaf Pingen: Wenn Sie, wie ich anerkennend lese, die Goldtour gefahren sind und keine allzu großen Schmerzen haben, würde ich raten, mit dem künstlichen Gelenk zu warten, so lange es geht. Selbst wenn die Endoprothese ideal sitzt und die Reha optimal verläuft, kann ein Ersatz nie so gut und langlebig sein wie ein natürliches Knie. Zumal Ihre X-Beinstellung die Operation schwieriger macht.

Die Lebensdauer einer Knieprothese hängt von deren Belastung ab, ähnlich wie bei einem Reifen von der gefahrenen Kilometerzahl und Fahrweise. Je jünger der Patient ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Prothese innerhalb seiner Lebensspanne abgenutzt ist und gewechselt werden muss – gerade bei größerer sportlicher Aktivität. Bei einer erneuten Operation stehen die Chancen auf einen guten Heilungsverlauf schlechter als beim ersten Gelenkersatz. Größere Belastungen, etwa langes Bergauffahren, können vermehrten Abrieb und nachfolgende Lockerungen bei Knieprothesen verursachen. Besser wären kürzere Strecken im Flachen. Mit einem künstlichen Gelenk müssten Sie Ihre Wettkampfziele also etwas herunterschrauben. Was noch möglich ist, hängt auch entscheidend vom Verlauf der Rehabilitation ab. Beachten Sie Ihre Leistungsfähigkeit und steuern Sie die Belastung am besten mit Hilfe eines qualifizierten Trainers (siehe TOUR 2/2015, Seite 68). Man braucht zum Rennrad­fahren die volle Streckung des Kniegelenks und eine Beugung von etwa 110 Grad. Mit Ihrer Fitness und Muskulatur bringen Sie jedoch gute Voraussetzungen mit. Angemessen betrieben, ist Radfahren ein idealer Sport für Kniepatienten.
 

Dr. med. Olaf Pingen

Dr. Olaf Pingen, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Amalie Sieveking
Krankenhaus in Hamburg, fährt selbst ambitioniert Rennrad

TOUR Titel 5/2015

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Dr. Olaf Pingen am 08.05.2015
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