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Arthrose bedeutet kein AUS fürs Rennradfahren

Radfahren mit Knieprothese

Dr. Peter Knöll am 31.08.2016

Nach einer Operation mit einer Knie-TEP stellt sich die Frage nach dem sinnvollen Einstieg auf dem Rennrad. Was geht, was soll man vermeiden? Orthopäde und selbst Radler Dr. Peter Knöll gibt Auskunft.

Frage von Detlef Sch.: Im Dezember 2015 habe ich (60 Jahre, bis dato 6.000 bis 9.000 Rad-Kilometer jährlich) eine Knie-TEP (Totale Endoprothese) erhalten. Bezüglich der Wiederaufnahme Rennradsport lauten die pauschalen Aussagen meist: "je nach Heilungsverlauf" oder "zirka sechs ­Monate nach OP ist ein lang­samer Einstieg wieder möglich". Gibt es darüber hinaus detailliertere Erkenntnisse aus der Praxis? Ist ein Wiedereinstieg, insbesondere mit Marathons und Alpenfahrten, für mich überhaupt noch machbar oder sinnvoll? Muss ich meine Klickpedale oder die Sitzposition neu anpassen? Gibt es Distanzen, Fahrsituationen oder Strecken, die ich vermeiden sollte? Was ist alles zu beachten?

Antwort von Dr. Peter Knöll: Eine Arthrose, also der Verschleiß des Gelenkknorpels, ist eine sehr häufige Erkrankung. In Deutschland sind von den 60-Jährigen rund ein Drittel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen betroffen – meist mit dem Hüft- oder Kniegelenk. Die Wiederherstellung des verschlissenen Gelenkknorpels ist bislang leider nicht möglich. Funktion und Haltbarkeit künstlicher Gelenke sind jedoch gerade in Knien und Hüfte sehr gut. Nach Erhalt einer Knieprothese dauert die Genesung meist drei bis sechs ­Monate. Am Kniegelenk ist eine zementierte Ober­flächen­ersatzprothese Standard. Das Gelenk kann man dann direkt nach der Operation voll belasten. Eine nicht-zementierte Knie­gelenks­prothese muss zunächst in den Knochen einwachsen, die Belastbarkeit ist erst nach etwa drei bis sechs Monaten voll gegeben.

Ob eine neue Anpassung Ihres Rennrades notwendig ist, hängt ganz wesentlich davon ab, wie weit Sie das operierte Knie beugen können: Wenn das bis etwa 110 Grad möglich ist (0 Grad wäre das durchgestreckte Bein), brauchen Sie vermutlich keine Anpassung. Können Sie das Knie nur bis 90 Grad knicken, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie können auf der operier­ten Seite einen kürzeren Kurbelarm montieren (lassen). Oder Sie besorgen sich im Ortho­pädietechnik-Fachhandel Zwischengelenke (im Internet zu finden unter Reha-Zubehör/Pedalpendel/Kurbelverkürzer), die an den Kurbelarm auf der operierten Seite geschraubt werden und so die Position der Pedale verändern.

Patienten mit Knieprothese können häufig nach sechs Monaten wieder mit dem Training beginnen. Insgesamt gilt Radfahren als gelenk­schonend. Man sollte auch mit einem künst­lichen Knie­gelenk genau das machen, was schmerzfrei möglich ist. Besondere Belastungen im Wiegetritt, bei Bergfahrten oder langen Strecken sind nicht zu erwarten. Auch eine Fahrt über Kopfsteinpflaster sollte kein Problem sein. Die heutigen künstlichen Kniegelenke haben eine Drehbeweglichkeit, sodass auch Klickpedale mit null Freiheitsgrad fahrbar sind. Zur Entlastung der Prothese würde ich jedoch Klickpedale mit zumindest einem geringen Freiheitsgrad (4°) empfehlen und die Cleats so einstellen, dass Sie mit leicht nach außen gedrehten Fuß auf dem Pedal stehen.

Dr. Peter Knöll

Dr. Peter Knöll, Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Uniklinik Köln und begeistertert Radsportler bei der Scuderia Südstadt Köln

TOUR Titel 8/2016

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Dr. Peter Knöll am 31.08.2016
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