Lactose-Intoleranz Lactose-Intoleranz

Alternative bei Fructose-Intoleranz

Verzicht auf Fruchtiges beim Rennradfahren

TOUR Magazin am 29.07.2016

Rennradfahrer trinken gerne mal Fruchtsaftschorlen. Aber was tun bei Fructose-Intoleranz? Ernährungswissenschaftler Uwe Schröder weiß Rat.

Frage von Matthias K.: Ich bin 44 Jahre alt und fahre im Schnitt weniger als 4.000 Kilometer im Jahr. Nun hat ein Gastroenterologe bei mir eine Fructose-Intoleranz diagnostiziert. Der Atemtest ­ergab einen Wert von 78, was eher hoch sei. Da ich beim Radfahren gerne Fruchtsaftschorlen und Fruchtriegel zu ­ mir nehme, hat das meine Beschwerden (Bauchschmerzen, Blähungen) eher vergrößert. Haben Sie einen Tipp für mich, was ich unterwegs zu mir nehmen könnte?

Antwort von Ernährungswissenschaftler Uwe Schröder: Wird Fruchtzucker (= Fructose) schlecht vertragen, liegt meist eine sogenannte intestinale Fructose-Intoleranz vor, auch als Fructose-Malabsorption bezeichnet (schlechte Aufnahme durch die Darmwand). Dabei gelangt der Fruchtzucker unverdaut in tiefere Darmabschnitte (Dickdarm). Das kann durch Wasserbindung und bakteriellen Abbau zu Blähungen und Durchfall führen. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der heriditären Fructose-­Intoleranz um eine schwer­wiegende Stoffwechselstörung, die bereits beim Säugling auftritt. Im Gegensatz dazu muss bei der leichteren Form nicht völlig auf Fructose verzichtet werden. Viele Menschen können, solange sie nicht gerade Sport treiben, unterschiedliche ­Mengen gut tolerieren – vor allem, wenn sie Fructose mit anderen Zuckern wie Trauben­zucker gleichzeitig verzehren. Daher vertragen die meisten auch Haushaltszucker, der je zur Hälfte aus Fructose und Trauben­zucker besteht.

Da Fructose in Obst, manchen Gemüse­sorten und Honig vorkommt, sollte man bereits vor dem Sport bei der Auswahl auf einen niedrigen Fructosegehalt achten (z. B. Aprikose, Papaya, Pfirsich), oder diese Lebensmittel meiden. Nimmt man beim Sport Lebensmittel zu sich, die Fructose im Gramm­bereich enthalten, können sich die Symptome beschleunigen und verstärken. Treibt man länger Sport, wird das Blut zur Unterstützung der Arbeitsmuskulatur in die Körperperipherie ver­lagert, sodass auch der Darm weniger durchblutet wird. Deshalb verträgt man alle Lebensmittel umso schlechter, je­ ­länger man Sport treibt. Bei bestehender Malabsorption wirken sich Riegel mit ­Trockenfrüchten, Fruchtriegel und Apfelsaftschorle daher besonders negativ aus.

Verzichten Sie beim Sport deshalb auf Fruchtriegel und Säfte, und nehmen Sie stattdessen Getreideriegel oder fructosefreies Gel zu sich. Es gibt auch Sport­getränke ohne Fructose. Wenn’s unbedingt Apfelschorle sein soll, helfen oft schon 5 Gramm (1 TL) Haushaltszucker zusätzlich, besser 5 Gramm Glucose (Traubenzucker) und eine Prise Salz auf 100 Milliliter. Besser ist Maltodextrin, es besteht nur aus Trau­benzucker­ketten. Die Kettenlänge wird über die Zahl auf dem Etikett dargestellt: je höher die Zahl, desto kürzer die Trauben­zuckereinheiten (von 6 bis 19). Je kürzer die Kette (MD 19), umso stärker ist die osmotische Wirkung und die Gefahr von Durchfällen. Ratsam: ein Liter Mineral wasser mit einem Gemisch aus 40 bis maximal 80 Gramm Maltodextrin mit MD 6 bis 12, plus ein Gramm Kochsalz. Diese Mischung müssten Sie gut vertragen. 

Uwe Schröder

Uwe Schröder ist Ernährungswissenschaftler am Institut für Sporternährung in Bad Nauheim und Lehrbeauftragter für Sporternährung an der Fachhochschule Fulda.

TOUR Magazin am 29.07.2016
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