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Helme / Mützen

Helmtest: 8 Aero-Straßenhelme im Vergleich

Robert Kühnen am 11.08.2014

Bislang galt: Nur ein maximal belüfteter Helm ist ein guter Helm. Jetzt stellt die neue Gattung der Aero-Straßenhelme die Windschnittigkeit in den Vordergrund, die Belüftung scheint nachrangig. Geht das gut? Acht Aero-Helme im Vergleich mit ihren klassischen Varianten.

Der Sprint von Radprofi Mark Cavendish ins Weltmeistertrikot des Jahres 2011 brachte die Aero-Welle ins Rollen. Der Brite fuhr das Straßenrennen in Kopen­hagen mit einer Ausrüstung, die dem Zeitfahren entlehnt war: ein hautenger Einteiler, die Löcher des Straßenhelms von einem durchsichtigen Kunststoffüberzug verschlossen, der Rahmen des Rades aerodynamisch optimiert. Seither sind noch mehr Aero-Helme für Straßenrennen entwickelt worden: Sie erfüllen die gängigen Sicherheitsnormen, schützen wie normale Radhelme, sind mit Gurtsystemen indivi­duell anpassbar – und dazu eben aerodynamisch verbessert. In diesem Jahr dominierten die geschlossenen Helme erstmals das Geschehen bei den Frühjahrsrennen der Radprofis.

Fotostrecke: 8 Aero-Straßenhelme im Test

Sind Aero-Helme nur ein Gimmick oder bieten sie wirklich einen Vorteil? Um der Sache auf den Grund zu gehen, haben wir acht auf Aerodynamik getrimmte Straßenhelme im Windkanal untersucht und mit einer Auswahl konventioneller Helme gleicher oder ähnlicher Form verglichen. In einem zweiten Test haben wir mit einem neuen Versuchsaufbau erstmals auch die Kühlleistung der Helme gemessen.

Die Testergebnisse dieser Aero-Straßenhelme finden Sie unten als PDF-Download:

• Casco Speed Airo
• Casco Speed Time
• Giro Air Attack
• Kask Infinity
• Kask Bambino
• Lazer 21 mit Aeroshell
• POC Octal Aero
• Specialized S-Works Evade

Vergleichshelme für diesen Test waren:

• Giro Aeon
• Kask Mojito
• Lazer Z1
• Poc Octal
• Specialized S-Works Prevail

Formenvielfalt

Die Hersteller beschreiten verschiedene Wege, um bei Helmen die Aero­dynamik zu optimieren. Die Brachialmethode lautet: die Löcher stopfen. Poc macht das so. Die Aero-Version des Modells Octal besitzt eine dünne Verkleidung, die die zahlreichen Kanäle des Helms verschließt, nur im Stirnbereich bleibt eine Öffnung. Lazer wendet für seine Modelle Z1 und Helium eine ähnliche Methode an – der aufgesetzte Kunststoffdeckel lässt sich aber entfernen, das macht die Helme sehr variabel. Casco, Giro, Kask und Specialized haben spezielle Formen entwickelt, um den Luftwiderstand der ­Straßenhelme zu senken. Sie sind kompakter und haben kleinere Stirnflächen als die ­typischen, zerklüfteten Straßenhelme. Die gezielte Führung des Luftstroms über ­Leit­elemente und Öffnungen soll den Luftwiderstand senken und dennoch den Kopf belüften. Beim Kask Infinity kann man mit einem Schieber an der Helmfront die Luftzufuhr während der Fahrt dosieren.

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Praktisch auch bei Regen: Eine leicht abnehmbarer Plastikdeckel macht Lazers Z1 schneller und dichter

So testet TOUR:

Aerodynamik

Der Aerodynamik-Test wurde im GST-Windkanal in Immenstaad durchgeführt. Test­fahrer ist der starre TOUR-Fahrer-Dummy in typischer Rennradposition, mit etwa 15 Grad geneigtem Rücken. Gemessen wird der Gesamtwiderstand von Fahrrad plus Fahrer mit Helm, während der Wind über einen Winkelbereich von -20 bis +20 Grad bei 45 km/h anströmt. Zusammengefasst ergibt die Messung die mittlere Luftwiderstandsleistung in Watt. Da der Aufbau abgesehen vom Helm unverändert bleibt, identifiziert die geringste Wattzahl den schnellsten Helm. Das Ergebnis geht mit 35 Prozent in die Gesamtnote ein.

Kühlung

Die Ventilation haben wir mit einem Ge­bläse überprüft. Der mit warmem Wasser gefüllte und mit einem feuchten Baumwollüberzug versehene Prüfkopf wird mit Helm vor einem Gebläse montiert und mit 40 km/h angeströmt. Über den Temperaturverlauf in der (umgewälzten) Wasserfüllung bestimmen wir die Kühlleistung. Dieses Szenario bildet den Kühlmechanismus der Schweißverdunstung nach. Die Kühlleistung wird in Watt angegeben. Je höher der Wert, desto besser die Belüftung. Das Ergebnis geht mit 35 Prozent in die Gesamtnote ein.

Gewicht

Ermittelt für alle Helme in Größe M. Die Note 1,0 vergeben wir für Helme, die weniger als 200 Gramm wiegen. Das Ergebnis geht mit 15 Prozent in die Gesamtnote ein.

Anpassbarkeit

Bestnoten bekommen Drehverschlüsse, ­höhenverstellbare Kopfbänder und schnell verstellbare Schlösser. Das Ergebnis geht mit 15 Prozent in die Gesamtnote ein.

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Robert Kühnen am 11.08.2014